Objekt der Woche

GENEX - Weil Schenken Freude macht! (Teil 2)

Die Geschenkdienst- und Kleinexporte GmbH (kurz GENEX) wurde 1956 auf Anordnung der DDR-Regierung gegründet. Ihre Aufgabe war es, begehrte Devisen, also harte Währung, für die DDR zu erwirtschaften. Zu diesem Zwecke wurden ab den 1960er Jahren Bestellkataloge herausgegeben mit denen Bürger der Bundesrepublik ihren Verwandten in der DDR Konsumgüter zukommen zu ließen. von Jörn Kleinhardt (19.12.2017)

Die Warenpalette

Die Kataloge zeichneten sich durch eine breite Warenpalette aus. Neben Lebens- und Genussmitteln, Heimtechnik und Haushaltsgeräten gab es Modeartikel, Spielzeug, Fahrräder, Boote, Möbel, Schmuck und Werkzeuge. Es war sogar möglich Autos und Zweiräder zu bestellen, dabei gab es neben DDR-Fabrikaten wie Trabant, Simson, MZ, Wartburg und Barkas auch Fabrikate von VW, Mazda, Volvo, Peugot oder Fiat zu kaufen. Selbstverständlich waren auch Kraftfahrzeuge aus dem Ostblock wie Dacia, Skoda oder Lada erhältlich. In der Regel wurden die bestellten Fahrzeuge innerhalb von 6 Wochen ausgeliefert, utopische Wartezeiten von über 10 Jahren entfielen für die zahlungskräftigen Kunden. Die größten bestellbaren Artikel waren zweifelsohne ganze Einfamilienhäuser. Diese konnte man in verschiedenen Ausführungen ab ca. 100.000DM erwerben.

Der Großteil des Warenangebots innerhalb der Kataloge kam aus heimischer Produktion, ein Anteil von ungefähr 20% hatten westliche Produkte. Neben den genannten Waren, wurden in den Katalogen auch Reisen angeboten. Die Reisekontingente waren vielfältig, neben zahlreichen Angeboten in den besten Hotels der DDR bestand die Möglichkeit, Auslandsreisen nach Bulgarien, Ungarn, die Tschechoslowakei und in die Sowjetunion zu buchen.

Genex-Katalog 1988

in der Objektdatenbank

Sargnagel für die DDR

Diese Dreieckskonstellation zwischen der DDR, der Bundesrepublik und den Strohfirmen konnte auf Dauer nicht gut gehen und schädigte die DDR-Wirtschaft nachhaltig. Man muss sich nur vor Augen halten wie absurd so ein Bestellvorgang war. Ein Beispiel: Frau Müller aus München bestellt ihrem Sohn in Leipzig über Genex einen Wartburg 353W. Den Wartburg bestellt Frau Müller in Kopenhagen bei der Jauerfood AG und bezahlt das Auto direkt mit DM. Die Jauerfood AG leitet die eingegangene Bestellung dann weiter an die Genex GmbH in Berlin und diese kontaktiert daraufhin den IFA Vertrieb in Leipzig. Der IFA Vertrieb stellt den geforderten Wartburg bereit und benachrichtigt Herrn Müller aus Leipzig. Herr Müller kann dann nach ca. sechs Wochen direkt seinen Wartburg abholen.

Wenn man bedenkt, dass die Automobilhersteller einen beträchtlichen Teil ihrer Produktion als Genex-Kontingent zurückhalten mussten, sind die üblichen Wartezeiten, der Bürger ohne Westkontakte, von über 10 Jahren für Neuwagen nicht verwunderlich. Letztendlich hat auch der berechtigte Unmut der Bürger über die mangelnde Versorgung mit Konsumgütern, neben vielen anderen Fehlern im System DDR, zur Friedlichen Revolution und somit zur Wiedervereinigung geführt.

Genex-Katalog 1989

in der Objektdatenbank

Genex-Katalog 1987

in der Objektdatenbank

Mehr zum Thema

Tickets ohne Warteschlange ab € 5,50   Jetzt kaufen