Objekt der Woche

GENEX - Weil Schenken Freude macht!

Die Geschenkdienst- und Kleinexporte GmbH (kurz GENEX) wurde 1956 auf Anordnung der DDR-Regierung gegründet. Ihre Aufgabe war es, begehrte Devisen, also harte Währung, für die DDR zu erwirtschaften. Zu diesem Zwecke wurden ab den 1960er Jahren Bestellkataloge herausgegeben. Mithilfe dieser Kataloge war es Bürgern der Bundesrepublik möglich, ihren Verwandten in der DDR begehrte Konsumgüter zukommen zu lassen. von Jörn Kleinhardt (14.12.2017)

Die Spur führt nach Dänemark und in die Schweiz

Da ein direkter Versandhandel zwischen beiden deutschen Staaten zwischen den 1960ern und 1980er Jahren juristisch nicht möglich war und ideologisch nicht ins Konzept passte, bediente man sich zweier Strohfirmen, der in Zürich ansässigen Palatinus GmbH und der aus Kopenhagen stammenden Jauerfood AG. Über beide Firmen wurden in knapp drei Jahrzehnten die Versandgeschäfte abgewickelt und dadurch mehr als drei Milliarden Deutsche Mark erwirtschaftet. Dieses Geld war eine wichtige Devisenquelle des Ministeriums für Außenhandel der DDR. Im Jahr 1989 wurde durch die Inter-Geschenkdienst GmbH aus Stuttgart der direkte Versandhandel zwischen der DDR und der Bundesrepublik aufgenommen.

Genex-Katalog 1979

in der Objektdatenbank

Wer konnte dort einkaufen?

In den Genuss der begehrten Genex-Waren kamen lediglich Bürger der DDR mit zahlungskräftigen Verwandten oder Freunden im westlichen Ausland. Die entsprechenden Kataloge wurden allerdings ausschließlich in die Bundesrepublik und nach Westberlin geliefert, die ostdeutschen Bürger waren lediglich die Empfänger der Waren. Allerdings bestand die Möglichkeit, Einblick in die Kataloge zu nehmen. Dafür mussten die Interessenten die offiziellen Genex-Fillialen innerhalb der DDR aufsuchen. Menschen ohne Westverwandte gingen anfangs leer aus und mussten sich mit dem heimischen Warenangebot und den oftmals langen Lieferzeiten arrangieren. Diese Parallelgesellschaft innerhalb der DDR förderte die Ungleichheit und sorgte innerhalb der Bevölkerung für erheblichen Unmut.

Auch im Politbüro war die GENEX GmbH nicht unumstritten und sorgte für heftige Diskussionen. Letztendlich waren der Handel und die Einnahmen zu lukrativ um das Geschäftsmodell infrage zu stellen. Ab den 1970er Jahren war es dann auch Bürgern ohne zahlungskräftige Westkontakte möglich Genex-Produkte zu erwerben. Bei Arbeitern im Ausland, beispielsweise den Trassniks an der Drushba Trasse, wurde ein Teil des Lohns auf ein Genex-Konto gutgeschrieben. Nach Rückkehr in die DDR konnten diese Bürger dann mithilfe ihrer Ersparnisse auf dem Genex-Konto ebenfalls von den angebotenen Waren profitieren. Dafür gab es dann auch spezielle Genex-Ost-Kataloge, die ausschließlich Konsumgüter aus der heimischen Produktion oder Produkte aus dem Ostblock enthielten.

Genex Reisekatalog 1979

in der Objektdatenbank

Genex-Katalog 1984

in der Objektdatenbank

Im nächsten Teil gehen wir auf das Warenangebot der Genex-Kataloge und die Auswirkungen auf die DDR-Wirtschaft näher ein...

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