Was bleibt von der DDR?

Deutsch-Russisches Museum in Berlin-Karlshorst

Im Mai 1945 war Berlin nur noch ein rauchender Trümmerhaufen. Doch in den Vororten gab es Wohnviertel, die von den Bombenangriffen und schweren Bodenkämpfen der letzten Kriegstage verschont worden waren. Dazu gehörte auch Karlshorst im Osten der Stadt. von Dr. Stefan Wolle (14.09.2017)

Kriegsende in Karlshorst

Das Viertel mit repräsentativen Bürgerhäusern und Villen ist um 1900 entstanden und bot auch noch in den dreißiger Jahren genügend Bauland. Deswegen wurde 1937 hier die Pionierschule I der Wehrmacht gebaut. Als im April 1945 die Rote Armee näher rückte, räumte das deutsche Militär entgegen den Durchhaltebefehlen das Gelände kampflos und überließ es unzerstört den Siegern. Noch während der Schlacht um Berlin quartierte Marschall Georgi Schukow, der Oberbefehlshaber der Ersten Bjelorussischen Front seinen Stab, in der Pionierschule ein. Erst am Morgen des 8. Mai 1945 fiel die Entscheidung, hier die bedingungslose Kapitulation der deutschen Streitkräfte zu unterzeichnen. Kurz nach Mitternacht begann die offizielle Unterzeichnung. Die Uhren im gesamten Machtbereich der Roten Armee waren einheitlich auf Moskauer Zeit eingestellt. So kam es, dass nach den Uhren des sowjetischen Militärs bereits der 9. Mai 1945 begonnen hatte. Dieser Tag wird in Rußland bis heute als Tag des Sieges begangen.

Berliner Kreml

In dem Kasernenkomplex und dem umliegenden Villenviertel residierte von nun an die Sowjetische Militäradministration für Deutschland (SMAD). Im Volksmund bürgerte sich der Begriff „Berliner Kreml“ ein. Karlshorst war die oberste Machtzentrale in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Am 10. Oktober 1949 übertrug die Besatzungsmacht in einem feierlichen Akt in Karlshorst der Regierung der DDR die Verwaltungsgeschäfte. An die Stelle der SMAD trat die Sowjetische Kontrollkommission (SKK) und seit 1953 der Hohe Kommissar. Faktisch änderte sich dadurch wenig. Was in dem neuen Staat zu geschehen hatte, wurde in Moskau entschieden und von Karlshorst aus angeleitet.

Von der KGB-Zentrale zum Museum

Nachdem das Amt des Hohen Kommissars 1955 abgeschafft wurde, verlor Karlshorst an Bedeutung. Nur kleinere Militäreinheiten waren hier stationiert. Der Sperrbezirk wurde schrittweise verkleinert und die Kontrollen weniger streng. Ab 1967 wurde zur Erinnerung an das Kriegsende im Offizierkasino das Kapitulationsmuseum eröffnet. Im Speisesaal des Offizierskasinos, wo 1945 die Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation stattgefunden hatte, wurde anhand historischer Fotos nachgestaltet. Dennoch blieb in Karlshorst ein wichtiges Machtzentrum – die deutsche Zentrale des sowjetischen Geheimdienstes KGB. Es handelte sich um die größte KGB-Residentur außerhalb der Grenzen der UdSSR. Seit 1991 zeigt ein Deutsch-Russisches Museum die historischen Räume und eine gemeinsam mit dem russischen Partner gestaltete Ausstellung über den Zweiten Weltkrieg.

Ehe der Gebäudekomplex des KGB endgültig von einem privaten Investor übernommen wurde, hatten im August 2009 Mitarbeiter des DDR Museum die Gelegenheit, auf der Suche nach Objekten durch die leer geräumten Räume und unterirdischen Gänge zu laufen. Allerdings war die Ausbeute gering, da viele Schatzsucher bereits vor uns das Gelände durchstreift hatten.

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