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Inventarnummer: 1008082
Sammlungsbereich: Film/Fotografie
Themengebiet: Verkehr, Urlaub
Objektbezeichnung: Fotoalbum "Völkerfreundschaft" 1960
Vorschau
Für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.
Beschreibung: "1. Mittelmeer-Schwarzmeerreise mit dem FDGB-Urlauberschiff M.S. Völkerfreundschaft vom 24.2.-8.3.1960"
enthält viele Fotos und Fotopostkarten der besuchten Häfen
Bordalltag und Impressionen
Datierung: 02.1960
Zustand: Sehr gut
Abmessungen: 4cm x 23cm x 27,5cm (HxTxB)
Material: Papier, Kunststoff, Zelluloid
Standort:
Herkunft: Spende
Weitere Information: BZ-Sondeiberichterstatter SIEGFRIED SCHUSTER fährt mit den ersten 531 „seefahrenden Urlaubern über sieben Meere. Wir steigen die Gangway hinauf und werden von Matrosen, Stewardessen und Offizieren überaus herzlich empfangen. Man greift nach unseren Koffern, führt uns zu den elegant eingerichteten Kabinen, die wir auf diesem schwimmenden Hotel mit seinen sieben Decks sicher nur mit Mühe allein gefunden hatten. Dann stehen wir an der Reling. Die Nationalhymne tönt von Land aus zu uns herüber. MS „Völkerfreundschaft" nimmt Kurs auf seine Jungfernfahrt über sieben Meere. Wir durchfahren den 96 km langen Nord-Ostssee-Kanal. Von den Ufern herüber winkt die holsteinische Bevölkerung, Tücher werden geschwenkt. An der Fährstelle Breiholz ruft uns eine Gruppe Bundeswehrsoldaten zu: „Gute Fahrt, .Volker- freundschaft'!" Kurz vor Brunsbüttel, der Kanalausfahrt, gibt es ein begeistertes Hallo, als wir unserem aus Ostasien heimkehrenden 10 000-Ton- nen-Frachter „Leipzig" begegnen. Eine Kollegin neben uns fragt scherzhaft: „Bis aus Leipzig kommt das große Schiff? Nä, was mir alles hamm!" Schallendes Gelächter. Während wir durch die Nordsee stampfen, vorbei an den Lichtern von Helgoland und den ostfriesischen Inseln ist Zeit, unsere schwimmende Heimat genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Kino mit seinen 186 rot gepolsterten Sitzen, das elegante Veranda-Cafe. Klubraum mit Bibliothek, Bar, Speisesaal, ein grunge. kacheltes Schwimmbad, Wannenbäder Sauna. Massageraum, Frisiersalon Sprechzimmer der Schiffsärztin, Lifts, Post, Funkstation, eine „Ladenstraße". Alles „first class" — so ließ sich's leben meinten die Millionäre, die sich früher hier breit machten und für den Tag bis zu 180,— DM (umgerechnet) bezahlten. Heute haben neue Millionäre Besitz davon ergriffen — die Besten unseres Staates, Werktätige. Jetzt fahre ich schon zum vierten Mal mit dem Lift 'rauf und 'runter, kann aber in dem Gewirr der Gange meine „Kammer" nicht finden. Aha, hier muß es sein. Hinter einem Vorhang lugt ein hübscher Mädchenkopf mit dunklem Pferdeschwänzchen hervor. „Waren Sie zu jetzt bestellt?" fragt mich die Bordmasseuse Leonore Eschberger im weißen Kittel. Ich denke: Das muß ein Irrtum . . . cAber kommen Sie nur, jetzt ist gerade Zeit" — und schon Hege ich auf dem Massagetisch, lasse mich kneten. Auch gut, denke ich, bei der üppigen Verpflegung hier kann das nie schaden. „Lori" ist 22 und stammt aus Dessau, erfahre ich dabei, ist als Bademeisterin und Masseuse ausgebildet. Sie hat Seemannsblut in den Adern, vom Vater geerbt. Und Kraft in den schlanken Händen Heute abend ist Bordfest. Das Leipziger Tanzorchester „Fips Fleischer" und die ständige Bordkapelle geben den „Ton" an. Man wagt ein Tänzchen auf leicht schwankendem Parkett. Auch Helga Isenhagen aus dem Boizenburger Fliesenwerk mit Ernst Gleinig. dem Schlosser des Berliner Privatbetriebes Braun & Co. Christa Ulbrich, die 1 8jährige Stepperin vom Berliner VEB Elegant, läßt sich von einem der „Vier Brummers im Tanze wiegen. In den Glasern funkelt goldener Wein, man prostet sich zu, lacht, scherzt. Andere stehen indessen mit hochgeschlagenem Kragen auf Deck, lassen sich den rauhen Seewind um die Ohren pfeifen und lauschen dem stürmischen Brausen der Wellen. Xylophon-Klänge, „Reise, Reise aufstehen! Ein jeder weckt den Nebenmann, der letzte stößt sich selber an — und kokst ruhig weiter!" Gegen 7 Uhr morgens — hier heißt das komischerweise sechs Glas (dabei war man noch völlig nüchtern!) kommt der „Weck-Steward" mit diesem Ruf durch die Gänge. Ein Sprung in die Badewanne mit warmem Seewasser oder ins kühle Naß des Schwimmbassins vertreibt den letzten Schlaf; das leckere Frühstück, vom Steward gekonnt serviert, bringt einen schnell „auf Deck". Wir laufen mit 17 Knoten durch den Ärmelkanal, erreichen die Steilküste Englands und erkennen die Funktürme von Dover. Mulmig wird es bei der Einfahrt in die Biskaya. Die Atlantik-Dünung macht uns selbst auf einem so großen Schiff zu schaffen. Dabei liegt die Windstärke nur bei 5 bis 6. Es heißt für alle, die Gangart zu ändern. Die bewußten Tuten müssen herhalten. Unser Chefkoch hat sich auf diese Situation eingestellt. Es gibt Nudeleintopf, offenbar wegen des leichteren „Durchgangs" Die kleinen Nebenerscheinungen vnd schnell vergessen, sie gehören nun mal zu einer zünftigen Seefahrt. An Bord ist längst wieder alles wohlauf. An der portugiesischen Küste, kurz vor Lissahon, ruft uns der Bordfunk an Deck: In wenigen Minuten werden wir dem DDR-Frachter „Thälmann-Pionier" begegnen. Die Kameras werden in Anschlag gebracht, und schon gleitet backbord querab der schnittige Frachter vorüber. Grüße von Bord zu Bord und drei lange Töne aus dem Tiphon. Jeden erfüllt es mit Stolz, unsere Schiffe auf allen Meeren zu wissen. Wieder ein Höhepunkt unserer Reise! Wir laufen durch die Straße von Gibraltar, fotografieren die steilen Felsenküsten zu beiden Seiten und sind beeindruckt von der Schönheit des azurblauen, von Sonnenlicht übergossenen Mittelmeeres. Bademeister Erich Heine, ein Ur- berliner, klart das Schwimmbad an Deck auf, und schon tummeln sich die ersten Wasserratten in dem auf 28 Grad erwärmten Mittelmeerwasser im Bassin. Mit Alfred Zimmerling, dem Presser aus der Brikettfabrik „Franz Mehring" in Senftenberg, schaue ich dem bunten Treiben im Bassin zu. „In meinen 54 Lebensjahren das größte Erlebnis", sagte der dreifache Aktivist. „Hier mitfahren zu dürfen, ist eine hohe Ehre für mich! Möge all das Schöne in friedlichen Tagen noch recht vielen Kollegen zuteil werden. Übrigens — seekrank bin ich keinen Augenblick gewesen", fügt er mit sichtlichem Stolz hinzu. Hannelore Fügemann neben uns, die große Blonde aus Blankenburg, kam nicht ganz so gut davon. Aber es ist überstanden. Sie blinzelt in die Sonne, als sie meint: „Ich konnte gar nicht fassen, daß nicht unser Werkleiter oder zumindest der Meister diese herrliche Reise mitmachen sollten, sondern ich, die kleine Näherin." An Langeweile ist nicht zu denken. Ohrenbetäubender Lärm aus allen möglichen Musikinstrumenten, •Wirr durcheinander, kündet' am Abend Meeresgott Neptun mit seinem Gefolge an. Zu ihm gehören Jenny Petra, Jiri Popper, Werner Stüvecke, Fips Fleischer und die vier Brummers. Auf dem Achterdeck müssen einige die Salzwassertaufe über sich ergehen lassen. Das ganze endet mit einem weiteren fröhlichen Bordfest. Dann kommt der Augenblick, auf den wohl jeder mit Spannung wartete. Im Morgenlicht des 4. März laufen wir Rhodos, die Insel der Rosen, an. Ankerketten rasseln, die Gangway wird ausgefahren, und griechische Barkassen gehen längs. Bürgermeister Petrides, Hafenkommandant und Vizepräfekt steigen an Bord der „Völkerfreundschaft". Sie sprechen sich anerkennend über den eben begonnenen Touristenverkehr mit der DDR aus. Wir haben uns „landfein" gemacht, werden ausgebootet und betreten die märchenhaft schöne Insel, eine der größten der Ägäis. Griechische Reiseführerinnen zeigen uns die Sehenswürdigkeiten. Die Hafeneinfahrt soll einst eines der sieben Weltwunder der Koloß von Rhodos, dem Sonnengott Helios gewidmet — geschmückt haben. Wir sehen Teile der blumen- umrankten mittelalterlichen Stadtmauer, Reste des Aphrodite-Tempels aus dem 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, das Ritterspital (heute Museum) und Säulen des Apollo- Tempels. „Pardon. Monsieur" — ein Rhodier spricht mich an und freut sich, jemanden gefunden zu haben, der etwas Französisch radebrecht. Ob wir aus dem Adenauer-Deutschland oder aus dem anderen kommen? Als ich ihm schließlich erzähle, daß Arbeiter auf dem Schiff ihren Urlaub verbringen, 14 Tage für 250 Mark, lächelt er erst ungläubig. Doch dann fragt er mich aus bis aufs Hemd, rechnet den Preis In Drachmen um und sagt: „So billig — und doch könnte sich's bei uns niemand leisten bei der großen Arbeitslosigkeit." Nach stürmischer Nacht bei Windstärken um 8 bis 9 gehen wir in Piraus an Land. „In meinem Tagebuch steht: Ein Märchen wurde Wirklichkeit", erzählt mir die 59jährige Maschinenarbeiterin Elfriede Gottscheck vom VEB Holzverarbeitungswerk Klosterfelde. Die dreifache Aktivistin ist hell begeistert. „Ich habe nie geglaubt, das alles einmal zu erleben!" Wir steigen in die bereitstehenden modernen Autobusse, von deren Scheiben die Buchstaben „FDGB" leuchten. Die Fahrt geht nach Athen, hinauf zur AkropoliS' mit dem Parthenon. Wir besichtigen das große Museum mit den wertvollen Ausgrabungen Heinrich Schlie- manns. In sausender Fahrt gehts zum 70 km entfernten Corinth, zu seinen Stätten des klassischen Altertums und dem berühmten, 83 m tief In Felsen gehauenen Kanal. Weiterfahrt durch die Dardanellen und den Bosporus. Bei Nacht passieren wir die bunten Lichterketten von Istanbul. Als wir das Schwarze Meer erreichen, geht das Geschaukel noch einmal los. Ein eisiger Sturm peitscht die Wogen, heult in den Deckaufbauten, und wieder Uieb- äugeln" einige mit den Tüten. Aber alles geht gut, und am Vormittag des 7. März machen wir, von den rumänischen Freunden herzlich begrüßt, in Constanta fest. Wehmut überkommt uns beim Verlassen des herrlichen Schiffes und seiner tüchtigen Besatzung. Der Abschied fällt schwer! IX] Ein Sonderzug bringt uns nach Bukarest. Leider viel zu kurz ist die Zeit für die Besichtigung der herrlichen rumänischen Metropole. Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, geht es mit den modernsten Maschinen vom Typ TU 104 und IL 18 in 7000 m Höhe bei 650 „Sachen" im „Luftsprung" zurück in die Heimat. Unvergeßliche Tage für alle, die dabei sein durften. Dem ersten Gewerkschaftsschiff der Welt, das in diesen Tagen bereits mit neuen Urlaubern durch sieben Meere stampft: „Allzeit goode Fahrt!" Dreimal mit dem Kopf schütteln — nur so ist bei den rhodosischen Souvenirs-Händlern der Preis von 30 auf 20 Drachmen zu „drücken". Christa Ulbrich aus Berlin hat den „landesüblichen" Kniff bald raus. ersten Palmen sehen wir auf der Insel Rhodos. Vom Winter in den Sommer sind wir gefahren. Im Hintergrund das einstige Ritterspital. An Deck läßt man sich von der Mittelmeersonne bräunen und träumt ugn der Wirslichkeit: dem Besuch ferner Länder. Arbeiter der DDR sehen die Akropolis und den Parthenon in Athen, die berühmtesten Stätten der Antike. Foto: Schuster (4) und Horst E. Schulze (1) Berliner Zeitung, Mi. 16. März 1960 Jahrgang 16 / Ausgabe 71 / Seite 3