Neueste ArtikelDer Schlüterhof war voll besetzt: Norbert Lammert, Renate Künast, Frank-Walter Steinmeier, Joachim Gauck, Wolf Biermann, etliche ehemalige DDR-Oppositionelle und Vertreter der DDR-Aufarbeitung waren anwesend. "Der Wechsel an der Spitze einer Bundesbehörde ist ein üblicher Vorgang", sagte Bundestagspräsident Lammert, doch er schränkte gleich ein, dass es sich eben nicht nur um eine normale Behörde handelt.
Marianne Birthler, die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR wurde abgelöst und ihr Nachfolger, der dritte Chef der BStU wurde eingeführt. Der 1983 als Oppositioneller von der DDR zwangsausgebürgerte Roland Jahn war bisher als Journalist tätig, überwiegend für das ARD-Magazin Kontraste.
Roland Jahn hat selbst in Stasi-Haft gelitten und damals sich und den Vernehmern geschworen, dass er irgendwann aus der Haft kommt und deren Kindern von den Untaten der Stasi-Mitarbeiter erzählt. Nun hat er von der Bundesrepublik Deutschland den offiziellen Auftrag dazu ...
Mit überwältigender Mehrheit wurde Jahn vom Bundestag zum Chef der sicherlich bald unter dem Namen Jahn-Behörde bekannten Institution gewählt. Man kann wohl davon ausgehen, dass der Bundestag wusste, dass er sich keinen einfachen Beamten aussuchte, sondern einen Freigeist, der kein Blatt vor den Mund nimmt.
So verzichtete Jahn bereits in seiner Antrittsrede auf das offizielle Protokoll, begrüßte nicht nach Rangfolge, sondern hob lieber die anwesenden Oppositionellen aus Jena, Leipzig oder Berlin hervor. Wo seine Vorredner das Arbeitsrecht vorschützten, wurde Jahn deutlich: "Die Beschäftigung von ehemaligen Stasimitarbeitern in der Behörde für die Stasiunterlagen ist unerträglich. Jeder ehemalige Stasimitarbeiter, der in der Behörde angestellt ist, ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer."
Obwohl viele der Gäste den neuen BStU-Chef persönlich kennen, war das Erstaunen über diese kämpferische Antrittsrede groß. Es bleibt abzuwarten, ob sich Jahn mit seinen Vorstellungen durchsetzen kann oder in der großen Behörde einen einsamen Posten bezieht.
Abzuwarten bleibt auch, wie die Zukunft der Behörde eigentlich aussieht: Mit allergrößter Wahrscheinlichkeit wird Jahn der letzte BStU-Chef sein - 2019 sollen die Stasi-Unterlagen ins Bundesarchiv umziehen. Jahns Aufgabe wird es also auch sein, die eigene Behörde abzuwickeln ...
Wir wünschen Roland Jahn viel Erfolg und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der Jahn-Behörde!


































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