“Sag mir, wo du stehst” – Eine interessante Filmvorführung und eine spannende und lebhafte Diskussion im Anschluss

Der gestrige Abend begann mit dem sehr eindrücklichen Dokumentarfilm "Sag mir, wo du stehst" von Anja Reiß. Dreißig Minuten lang berichteten frühere Häftlinge der Untersuchungshaftanstalt in Hohenschönhausen und ehemalige Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit über Ihre Sicht auf die Vergangenheit. Neben berührenden Zeitzeugenberichten über die fürchterlichen Haft- und Foltermethoden hörte man aber auch Aussagen, die einen fassungslos zurücklassen. Von „ich habe mir nichts vorzuwerfen" bis „ich muss und werde mich nicht rechtfertigen für meine Arbeit" äußerten ehemalige Mitarbeiter des MfS solch uneinsichtigen und halsstarrigen Sichtweisen, die man mit einem reflektierten Blick auf die Vergangenheit kaum ertragen kann.
von Admin (21.08.2013)

Der gestrige Abend begann mit dem sehr eindrücklichen Dokumentarfilm "Sag mir, wo du stehst" von Anja Reiß. Dreißig Minuten lang berichteten frühere Häftlinge der Untersuchungshaftanstalt in Hohenschönhausen und ehemalige Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit über Ihre Sicht auf die Vergangenheit. Neben berührenden Zeitzeugenberichten über die fürchterlichen Haft- und Foltermethoden hörte man aber auch Aussagen, die einen fassungslos zurücklassen. Von „ich habe mir nichts vorzuwerfen" bis „ich muss und werde mich nicht rechtfertigen für meine Arbeit" äußerten ehemalige Mitarbeiter des MfS solch uneinsichtigen und halsstarrigen Sichtweisen, die man mit einem reflektierten Blick auf die Vergangenheit kaum ertragen kann.


Doch es geht auch anders! Dem ehemaligen Häftling des Stasi-Gefängnisses Hohenschönhausen, Klaus Schulz-Ladegast ist es gelungen, den Mitarbeiter des MfS zu finden, der ihn damals verhaftet hat. Klaus Panster arbeitete seit dem Abschluss seiner schulischen Ausbildung aus politischer Überzeugung für das Ministerium für Staatssicherheit. Herr Schulz-Ladegast hingegen wurde damals verhaftet, da sein Vater dem BND Informationen zukommen ließ und der Kontakt ursprünglich über den Sohn zustande kam. Nachdem Herr Schulz-Ladegast dann nach über 3 Jahren Haft freikam floh er im Handschuhfach eines präparierten Autos in den Westen. Jahre später bekam er Einsicht in seine umfangreichen Stasi-Akten und las neben den Namen seiner Verhörer aus Hohenschönhausen öfter den Namen „Klaus Panster". Er recherchierte die Kontaktdaten und unternahm einen vorsichtigen Kontaktversuch. Dieser klappte und beim ersten Treffen offenbarte Herr Schulz-Ladegast, welchen Zusammenhang es in den Lebensläufen der beiden Männer gibt. Seitdem treffen sie sich regelmäßig und sind auch im Dokumentarfilm „Sag mir, wo du stehst" im Gespräch zu sehen.


Die Diskussion selbst würde ich „angespannt" nennen und der Ton wurde durchaus hier und dort etwas schärfer. Es machte den Eindruck, als wären die beiden Personen auf dem Podium und deren Lebensläufe weitaus interessanter als der Fakt, dass hier ein äußerst seltener Dialog stattfindet. Wie viele ehemalige Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit kennen Sie, die sich einem offenen Gespräch stellen? Die üblichen, trotzig-verteidigenden Aussagen hatte man ja zuvor in der Dokumentation gesehen. Trotzdem lag der Schwerpunkt der Diskussion eindeutig auf der Vergangenheit und weniger auf dem Film oder dieser Form der Aufarbeitung. Ich fand das sehr schade, allerdings ist diese Gesprächssituation so selten, dass vermutlich jeder andere Erwartungen hat und es nicht „den richtigen Gesprächsverlauf" gibt. Auf jeden Fall war es für mich eine sehr außergewöhnliche Veranstaltung und ich bin froh, dabei gewesen zu sein.

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