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„Mein kleines Lexikon“ – sozialistische Nachschlagewerke für Kinder

Der Kinderbuchverlag Berlin wurde am 1. Juni des Jahres 1949, dem Internationalen Kindertag, gegründet. Initiiert wurde die Gründung durch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD), offiziell wurde der Verlag durch den Parteivorstand der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) gegründet und war der ein Jahr zuvor gegründeten Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ unterstellt. von Jörn Kleinhardt (03.11.2016)

Der Kinderbuchverlag Berlin wurde am 1. Juni des Jahres 1949, dem Internationalen Kindertag, gegründet. Initiiert wurde die Gründung durch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD), offiziell wurde der Verlag durch den Parteivorstand der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) gegründet und war der ein Jahr zuvor gegründeten Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ unterstellt. Der Verlag diente als Instrument der Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit und war für eine Vielzahl von Publikationen verantwortlich. Viele namhafte Autoren und Illustratoren arbeiteten für den Verlag und sorgten mit ihrer Arbeit dafür, dass zahlreiche Publikationen des Kinderbuchverlages als „Schönste Bücher der DDR“ ausgezeichnet wurden.

In den frühen 1970er Jahren wurde mit der Serie „Mein kleines Lexikon“ eine populärwissenschaftliche Reihe von Nachschlagewerken ins Leben gerufen. Das Selbstverständnis der Kinderbuchreihe befindet sich auf der Rückseite des Einbands. Dort steht jeweils: „Mein kleines Lexikon ist eine für Kinder herausgegebene Serie von populärwissenschaftlichen Einführungen in verschiedene Wissensgebiete, die wesentliche Begriffe in alphabetischer Reihenfolge verständlich und unterhaltsam erklären…“. Da die Bücher für Kinder ab 9 Jahren geschrieben wurden, sind sie sehr ansprechend gestaltet und enthalten viele Illustrationen und Fotografien. Der Verkaufspreis pro Ausgabe betrug 5,80 Mark. Jeder der insgesamt 41 erschienen Bände widmet sich speziell einem Thema. Die inhaltliche Vielfalt war sehr groß und reichte von naturwissenschaftlichen Themen(z.B. „Katze, Hund und bunte Fische“/ „Düne, Meer und Tintenfisch“/ „Sputnik, Raumfahrt, Kosmonaut“) bis zu ideologisch geprägten Inhalten (z.B. „Tatort, Spuren, Alibi“/ „Halstuch, Trommel und Fanfare“/ „Panzer, Flugzeug, schnelle Schiffe“).

Die Texte waren verständlich und kurz gehalten um der jungen Leserschaft gerecht zu werden. Die Veröffentlichungen mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt profitieren von dieser einfachen und verständlichen Vermittlungsform. Anders sieht es jedoch bei den ideologisch geprägten Büchern aus. Aus heutiger Sicht sind viele der vermittelten Inhalte stark überzogen, vereinfacht oder gar gänzlich falsch dargestellt.  Als Beispiel soll ein kurzer Text aus dem 1984 erschienenen „Panzer, Flugzeug, schnelle Schiffe“ zum Thema Traditionen dienen. Der Text zum 13. August 1961(Tag des Mauerbaus) befindet sich auf Seite 75 der Ausgabe und lautet wie folgt: „Der 13. August 1961. Die Nationale Volksarmee verfügt auch über Traditionen, die sie selbst geschaffen hat. Als 1961 die westdeutschen Militaristen und ihre Bundeswehr die DDR überfallen wollten, wurde die Staatsgrenze zur BRD und zu Westberlin lückenlos gesichert. Das geschah für die Feinde unseres Landes völlig überraschend am 13. August 1961. Kampfgruppen der Arbeiterklasse, Nationale Volksarmee und Sowjetarmee ließen dem Feind keine Chance. Für die NVA war das die erste große Bewährungsprobe zum Schutz des Sozialismus und unseres Staates.“

Trotz der teilweise bedenklichen Inhalte, erfreute sich die zwischen 1973 und 1990 erschienene Kinderbuchreihe einer großen Beliebtheit und war in vielen Kinderzimmern der DDR zu finden. Eine Auswahl der Kinderbuchreihe aus unserem Sammlungsbestand sehen sie auf dem zugehörigen Foto.

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