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Klettern in der DDR - Der Bergsteiger Bernd Arnold zu Gast im Besucherzentrum des DDR Museum

Am Dienstagabend folgten mehr als 50 Besucher der Einladung des DDR Museum zur Veranstaltung "Klettern in der DDR" im Besucherzentrum.
von Admin (08.12.2016)

Am Dienstagabend folgten mehr als 50 Besucher der Einladung des DDR Museum zur Veranstaltung Klettern in der DDR im Besucherzentrum.

Der Abend begann mit einer Diashow mit klassischer Musikuntermalung zur romantischen Einstimmung. Danach stellte Sören Marotz, Ausstellungsleiter des DDR Museum, den Gast Bernd Arnold, den gelernten Buchdrucker und einen der besten sächsischen Kletterer der 60/70/80er Jahre, dem Publikum vor. Der mit seinem reichen Wissen und vielen Anekdoten über den Klettersport in der DDR den ganzen Abend lang begeisterte.

„Geklettert wird mit Händen und Füßen und natürlich mit dem Kopf, ganz gleich in welcher Gesellschaftsform wir uns befinden. Dennoch haben die jeweiligen gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse Einfluss auf unser Tun.“

Er beschrieb die Ausgangslage um 1944/45, in der der Klettersport fast vollständig zum Erliegen kam. Grund war das Verbot des Deutschen Alpenvereins (79 Sektionen) auf dem Gebiet der DDR durch die Direktive Nr. 23 des Alliierten Kontrollrates zur Beschränkung und Entmilitarisierung des Sportwesens. Doch auch dessen Aufschwung und hervorragende Einzelleistungen wie der Besteigung der Großen Zinne-Nordwand 1958 durch 4 sächsische Kletterer oder der Leistungssteigerung bis in den 10ten sächsischen Schwierigkeitsgrad Anfang der 80er Jahre waren Thema. Er schilderte die zunehmende Institutionalisierung des Klettersports durch die Gründung der verschiedenen Dachorganisationen angefangen von der „Einheits-Touristen-Bewegung“ bis hin zum „Deutschen Verband für Wandern, Bergsteigen und Orientierungslauf (DWBO)“, mit dem klaren Ziel der engeren Bindung der Kletterer an den Staat. Auf der einen Seite war die Folge, dass namhafte Spitzenkletterer wie Karlheinz Gonda aus Verbitterung oder der Sehnsucht zu den großen alpinen Wänden die DDR verließen. Andererseits gingen mit der Bildung von Betriebssportgemeinschaften gewisse Vorteile einher wie eine bevorzugte Materialausgabe, eine bessere Absicherung bei Unfällen, einem größeren Angebot für Gruppenfahrten nach Polen, Tschechien, Bulgarien und Rumänien, sowie die Unterstützung der Kletterführerarbeit, des Bergrettungswesens, der Erneuerung von Sicherungsringen sowie der Kinder- und Jugendarbeit. Das 1969 eingeführte „Treffen Junger Bergsteiger“ gibt es noch heute.

Anschließend zeigte Bernd Arnold anhand von Schuhen, Seilen, Rucksäcken und Karabinern auch die Weiterentwicklung des Klettermaterials über die Jahre hinweg und vor allem den Improvisationsreichtum der DDR-Bürger. Er selbst kaufte Gesamtbestände von Noten auf, um sie an westdeutsche Musikschulen im Tausch gegen Kletterseile zu schicken oder klebte Teile von LKW-Reifen als Gummi unter seine Schuhe.

Der letzte Teil der Dia-Präsentation musste dem lebhaften Gespräch über die besonderen persönlichen Herausforderungen des Klettersports, den Veränderungen der sächsischen Kletterregeln sowie den Besonderheiten des Kletterns im sächsischen Elbsandsteingebirge weichen.

Aber das tat dem gelungenen Abend keinen Abbruch. Und wer möchte, kann sich den 70jährigen Bergsteiger zusammen mit einer anderen Legende des Klettersports, Gisbert Ludewig, in der Reportage ECHT über den Urknall - Sächsische Schweiz des Mitteldeutschen Rundfunks vom 6.12. 2016 ab 11:30 Min ansehen.

Wir bedanken uns bei Bernd Arnold für den stimmungsvollen Abend und wünschen allen Veranstaltungsbesuchern eine schöne und besinnliche Vorweihnachtszeit. Im nächsten Jahr geht es dann mit den Veranstaltungen im Besucherzentrum des DDR Museum weiter!

 

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