Musikgeschichte

Dean Reed - Politaktivist und DDR-Schlagerstar

Als Dean Cyril Reed im Jahr 1973 in die DDR übersiedelte, blickte der damals 35-jährige schon auf eine bewegte Karriere als Musiker, Schauspieler und politischer Aktivist zurück. Seine privaten und beruflichen Wege hatten ihn bereits von Amerika nach Lateinamerika, anschließend in die Sowjetunion sowie nach Italien und Spanien geführt.
von Maria Bartholomäus (23.06.2015)

Als Dean Cyril Reed im Jahr 1973 in die DDR übersiedelte, blickte der damals 35-jährige schon auf eine bewegte Karriere als Musiker, Schauspieler und politischer Aktivist zurück. Seine privaten und beruflichen Wege hatten ihn bereits von Amerika nach Lateinamerika, anschließend in die Sowjetunion sowie nach Italien und Spanien geführt.

Der gebürtige US-Amerikaner wurde 1938 in Denver, Colorado geboren und begann bereits in jungen Jahren, sich intensiv mit Musik zu beschäftigen. Parallel zu seinem Meteorologie-Studium gab er unter dem Künstlernamen „Denver Kid“ regelmäßig Konzerte, woraufhin Reed 1959 einen 7-jährigen Plattenvertrag abschloss. Nach mäßigem Erfolg auf dem amerikanischen Markt setzte der Künstler seine Karriere in Lateinamerika fort, wo er insbesondere in Argentinien und Chile großen Erfolg hatte und sogar beliebter als Elvis Presley war.

Durch seine dauerhafte Übersiedlung nach Argentinien im Jahr 1961 machten besonders die sozialen Missstände in dem südamerikanischen Land einen bleibenden Eindruck auf den jungen Sänger. So begann er sich neben seiner Musik- und Schauspielkarriere politisch zu engagieren, indem er sich z.B. offen gegen Kernwaffentests der USA sowie den Vietnamkrieg ausspricht oder an Bürgerrechtsdemonstrationen teilnimmt.

Nach seiner Ausweisung aus Argentinien im Juli 1966 siedelt Reed mit seiner damaligen Frau in die UdSSR über, wo er musikalisch an seine bisherigen Erfolge nahtlos anknüpft. Nach Konzertreisen in verschiedenen Ostblockstaaten lässt sich Reed schließlich 1973 in der DDR nieder, wo er als bekennender Sozialist von Politikern sowie Fans viel Zuspruch und Unterstützung erfährt. Er tritt regelmäßig bei Festlichkeiten und in Kulturpalästen auf. Enge Beziehungen zur Regierung der DDR hält Reed auch, indem er für etwa ein Jahr als Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi unter dem Decknamen Victor agiert und von Kontakten mit US-Amerikanern berichtet.

Anfang der 80er Jahre nimmt Reed’s Popularität in der DDR ab. Ein letzter musikalischer Erfolg ist die fünftägige Personalityshow „Sing, Dean, sing!“ im Palast der Republik während der Sommerferien 1981, wo er zusammen mit Dagmar Frederic und Josef Laufer auftritt. Das Programmheft dazu und viele im DDR-Plattenlabel AMIGA erschienene Schallplatten befinden sich in unserer Sammlung. 1986 wird der Künstler leblos im Zeuthener See südöstlich von Berlin gefunden. Die Umstände sowie die konkrete Todesursache werden bis heute diskutiert.

Am 19. September 2015 findet in Berlin-Friedrichshain ein Dean-Reed-Treffen statt, bei dem u.a. ehemalige Freunde und Kollegen des Sängers über Begegnungen berichten werden und an Reed’s Ideale wie Familie, Freundschaft und Völkerverständigung erinnert wird.

Wie haben Sie Dean Reed als Musiker in der DDR empfunden oder waren Sie gar auf einem seiner Konzerte? Wir freuen uns über Anekdoten, Berichte oder auch Objekte!

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