Ausstellung

Das Wohnzimmer - Teil 4: Anfassen, Anhören, Anschauen, Abstimmen...

Technik im Museum ist nichts Neues mehr, Interaktivität hingegen immer noch aufregend und verhältnismäßig unerforscht. Geschichte unterhaltsam, einzigartig und zum Mitmachen einladend zu vermitteln ist die Antwort des DDR Museum auf die Frage: “Warum sollte man das DDR Museum besuchen?” Hier sind vier gute Gründe.
von Michael Geithner (26.10.2016)

Technik im Museum ist nichts Neues mehr, Interaktivität hingegen immer noch aufregend und verhältnismäßig unerforscht. Geschichte unterhaltsam, einzigartig und zum Mitmachen einladend zu vermitteln ist die Antwort des DDR Museum auf die Frage: “Warum sollte man das DDR Museum besuchen?” Hier sind vier gute Gründe.

In der neuen Ausstellung des DDR Museum “Alltag im Plattenbau” wurde eine komplette WBS-70 Wohnung rekonstruiert. Das Wohnzimmer ist das Herzstück einer mit Informationen und technischen Besonderheiten vollgepackten Fläche. Vier Highlights dieses Raumes repräsentieren die unterschiedlichen interaktiven Ansätze und rufen beim einen oder anderen vielleicht auch Erinnerungen wach:

  • 1 - “Erika

Dass im DDR Museum originale Gegenstände angefasst werden dürfen, sollte mittlerweile jedem bekannt sein. Einige davon, wie die Schreibmaschine “Erika” (entworfen von Produktgestalter Karl-Clauss-Dietel) können auch benutzt werden - der Besucher darf hier mit Herzenslust tippen, was er will. Nicht selten erreichen uns so witzige, liebevolle und interessante kleine Botschaften. Dabei geht natürlich auch immer wieder etwas kaputt, was dann von “originalem” DDR-Fachpersonal repariert wird. Der Aufwand ist es uns absolut wert, gerade im Zeitalter, das bald selbst Tastaturen überflüssig werden lässt, jungen Besuchern dieses einzgartige Gefühl von mechanisch ins Papier gehackten Buchstaben zu vermitteln.

  • 2 - TV-Installation

Schon in der alten Ausstellung konnte man DDR-Fernsehen schauen. In dieser aktualisierten Version hat man auf einem im Couchtisch eingelassenen Touchscreen das Fernsehprogramm des 5. März 1984 vor sich, eines ganz gewöhnlichen Tages in der DDR, und kann zahlreiche der Sendungen von damals ausschnittsweise anschauen. Auf dem Screen wählt man einen Clip aus, der dann auf einem originalen Fernseher wiedergegeben wird. Sandmännchen, Schwarzer Kanal und Schulfernsehen werden erweitert durch West-Fernsehen, was damals, wenn auch verpönt, von vielen DDR-Haushalten empfangen wurde. So ist es möglich die HEUTE-Nachrichten, die Tagesschau oder das “West-Sandmännchen” zu sehen.

  • 3 - Museums-Charts

Charts sind normalerweilse Hitlisten von bekannten Musiktiteln - und genauso ist es auch bei dieser Installation. Die Besucher können auf einem Display knapp 100 bekannte DDR-Musiktitel hören und mit “Gefällt mir” markieren. Das System merkt sich, welche Titel angehört und markiert wurden und errechnet daraus live eine Beliebtheitsliste. Auf Platz 1 derzeit: “Ein himmelblauer Trabant” von Sonja Schmidt (1971). Neben der Musik gibt es auch Hörproben aus bekannten Büchern aus der DDR beispielsweise Plenzdorfs “Die neuen Leiden des jungen W.” oder “Franziska Linkerhand” von Brigitte Reimann.

  • 4 - Digitales Fenster

Ein besonderes Highlight, das in den nächsten Wochen noch ausführlicher vorgestellt werden wird, sind unsere digitalen Fenster. Das DDR Museum selbst liegt unterirdisch, direkt an der Spree gegenüber des Berliner Doms. Die rekonstruierte Plattenbauwohnung hingegen befindet sich im 6. Stockwerk - in der man aus dem Fenster hinaus schauen kann. -Wie? - Das wird digital gelöst. Auf 84 Zoll großen Bildschirmen hinter (originalen) DDR-Fenstern blickt man auf eine am Vorbild von Berlin Marzahn digital rekonstruierte Plattenbaulandschaft, die man auch aus unserer Trabi-Simulation kennt. So wird nicht nur der typische Ausblick auf die Plattenbau-Romantik gezeigt, sondern es ist uns auch möglich, verschiedene Wetterszenarien, Tageszeiten und Lichtstimmungen darzustellen. Entwickelt wurde diese Installation gemeinsam mit ravir Film aus Dresden.

In den nächsten Wochen werden wir hier im Blog noch genauer auf die anderen Räume der Ausstellung eingehen. Wer diese selbst erleben möchte, dem bleibt nichts anderes übrig, als vorbei zu kommen. Das DDR Museum ist täglich von 10:00 Uhr bis 20:00 Uhr geöffnet, samstags sogar bis 22:00 Uhr.

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