Das Wohnzimmer – Teil 2: Durch und durch ein Original

Um den neuen Teil der Dauerausstellung des DDR Museum besser kennen zu lernen, stellen wir Ihnen die einzelnen Räume im Rahmen einer umfangreichen Blogreihe näher vor. In diesem Text geht es um den größten Raum der Museumswohnung, nämlich dem Wohnzimmer. Als Sammlungsmitarbeiterin stelle ich Ihnen diesen Themenkomplex aus der Perspektive der Objekte und deren Geschichte(n) genauer vor. Einen Beitrag aus der Perspektive der Sammlung zur Museumsküche finden Sie hier.
von Maria Bartholomäus (11.10.2016)

Um den neuen Teil der Dauerausstellung des DDR Museum besser kennen zu lernen, stellen wir Ihnen die einzelnen Räume im Rahmen einer umfangreichen Blogreihe näher vor. In diesem Text geht es um den größten Raum der Museumswohnung, nämlich dem Wohnzimmer. Als Sammlungsmitarbeiterin stelle ich Ihnen diesen Themenkomplex aus der Perspektive der Objekte und deren Geschichte(n) genauer vor. Einen Beitrag aus der Perspektive der Sammlung zur Museumsküche finden Sie hier.

 

Ein musealer Raum mit originalen Objekten

Das Wohnzimmer der musealen WBS 70 Wohnung ist einem durchschnittlichen Wohnzimmer Mitte der 1980er Jahre in der Deutschen Demokratischen Republik nachempfunden. Der hohe Grad der Authentizität wurde (ebenso wie in allen anderen Räumen der Wohnung auch) durch die vielen originalen Objekte erreicht. Hierzu zählen neben einer Carat-Schrankwand, einem MuFuti sowie verschiedene Flaschen von alkoholischen Getränken ebenso das eingebaute Fenster sowie Balkontür, der Heizkörper und die Lichtschalter samt Kabelverkleidung. Da diese Elemente der Grundausstattung einer WBS70 Wohnung zunächst nicht in der Sammlung des DDR Museum vorhanden waren, mussten sie anderweitig organisiert werden. So wurden bereits im letzten Jahr verschiedene Wohnungsbaugenossenschaften und Stadtverwaltungen in mehreren Bundesländern kontaktiert, um möglichst originale Einrichtungselemente von noch unsanierten Plattenbauwohnungen zu erwerben. Da jedoch die allermeisten Plattenbauten mittlerweile saniert sind, gestaltete sich dies durchaus problematisch. Schließlich gelang es jedoch, einen Plattenbau in Dessau ausfindig zu machen, der kurz vor der Sanierung stand und aus dem wir sämtliche Einrichtungselemente retten konnten, die es braucht, um eine Wohnung zu DDR-Zeiten authentisch einzurichten. Zusätzlich zu Heizkörpern und Türen konnten wir so eine Badewanne sowie Fußbodenleisten oder einen Sicherungskasten samt Verkleidung in unseren Sammlungsbestand aufnehmen und in die Ausstellung integrieren.

 

Eine Schrankwand mit überraschendem Inhalt

Ein weiteres interessantes originales Objekt ist die Schrankwand im Wohnzimmer. Sie stellt das Modell „Carat“ dar und ist praktisch DER Einrichtungsklassiker der DDR. Die Schrankwand konnte beliebig zusammen gestellt werden, da die Elemente wie Bar oder Vitrinen einzeln erhältlich waren. So gab es hier zumindest ein kleines bisschen Spielraum für Individualität; wofür es in der DDR verhältnismäßig wenig Möglichkeiten gab. Dieses Möbelstück entstammt der Sammlung des DDR Museum, die noch über viele weitere Ausführungen dieses Schrankwand-Modells verfügt. Als Ausstellungselement gibt das Möbelstück Informationen dazu, wie schwierig sich die Wohnungssuche in der DDR gestaltet hat und welche Möglichkeiten sich dem DDR-Bürger boten das Wohnungsamt zu umgehen. Außerdem werden innerhalb der Schubladen und Schranktüren Themen wie Feiern, Gesellschaftsspiele, Drogenkonsum, Grund- und Luxusgüter sowie Westfernsehkonsum behandelt.

 

Im nächsten Blogbeitrag zum Wohzimmer kommt die Kuratorin des Raumes zu Wort und stellt die interaktiven technischen Elemente vor, die sich in diesem Raum befinden. Seien Sie gespannt!

 

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