Das bewegte Leben zweier Artisten: Monika und Lothar Klich zu Gast im DDR Museum

Das Ehepaar Klich vermittelte am gestrigen Abend unterhaltsam, wie viel Ereignisse in ein einziges Leben passen. Und auch, wie man sich trotz vieler Widrigkeiten nicht unterkriegen lässt!
von Melanie Alperstaedt (16.12.2015)

Das Ehepaar Klich vermittelte am gestrigen Abend unterhaltsam, wie viel Ereignisse in ein einziges Leben passen. Und auch, wie man sich trotz vieler Widrigkeiten nicht unterkriegen lässt!

Wie alles begann

Lothar Klich wurde im Sommer 1941 in Königs Wusterhausen geboren und entschied sich früh, Artist werden zu wollen. Dabei kam er aus keiner Artistenfamilie, sondern entwickelte den Wunsch ohne einen direkten Bezug zur Zirkuswelt zu haben. Ähnlich war es bei Monika Klich, die 1954 in Berlin geboren wurde und ebenfalls zielstrebig eine Karriere als Artistin anstrebte. Beide besuchten, wenn auch in zeitlichem Abstand, die Staatliche Fachschule für Artistik in Berlin, deren Wirken bis 1989 eng mit dem Staatszirkus der DDR verbunden war. Die Ausbildung war laut Lothar Klich sehr vielfältig, Ballett, Steppen, Artistik, Jonglage…das Ehepaar zählte gestern so viele unterschiedliche Fächer auf, dass man als Zuhörer zu diesem Zeitpunkt aufgrund sehr beeindruckt war! Auch wenn ich mir aufgrund der Vielfältigkeit nicht alle Fachbegriffe merken konnte, Herr Klich arbeitete im Staatszirkus der DDR als Artist als Trampolinspringer bei den „Kristellis“, Frau Klich als Radäquilibristin bei den „Rovellos“.

Der Fluchtversuch

Bevor Lothar und Monika Klich ein Paar wurden, versuchte Herr Klich bei einem Tourneegastspiel in der Tschechoslowakei zu fliehen und wurde festgenommen. Es folgte eine Inhaftierung, zahlreiche Verhöre und eine Verurteilung. Nach seiner Entlassung erhielt er ein Berufsverbot und wurde zum Requisiteur degradiert. Es war für ihn die einzig Möglichkeit, weiterhin beim Staatszirkus tätig zu sein. Er ertrug diese Demütigung und konnte nach einem Jahr erneut als Artist arbeiten.

Wie es weiterging

Die Karriere und das Privatleben des Paares wurden durch die Repressalien und Schikanen enorm beeinflusst, trotzdem kämpften sich beide durch und machten sich später selbstständig. 1989 schafften sie es dann auch, sich erfolgreich an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Im Gedächtnis ist mir dabei besonders ein Satz von Frau Klich: „Manch einer feierte am 10.11.1989, ich fuhr „rüber“ und suchte mir Arbeit!“

Es war ein toller facettenreicher und spannender Abend, der auch durch das Charisma des Ehepaars Klich bereichert wurde. Die Moderation des Gesprächs  übernahm der Spreeparkexperte Christopher Flade, der bereits im Kindesalter die beiden Artisten als Clowns im Berliner Spreepark Plänterwald kennenlernte. Wer möchte, kann in dem Buch „Medina oder mein Leben im Schweinsgalopp“ einen detaillierteren Einblick in die Lebensgeschichte von Frau Klich erhalten, ich habe mir selbst eines für die Bibliothek des DDR Museum signieren lassen!

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