Aus der Sammlung

Color-Bildbände aus der DEFA-Produktion

Sie zählen fast schon zu den Raritäten der DDR-Zeit: die DEFA-Color-Bildbände. Auch als Dia-Rollfilme bezeichnet waren die Bildbände in den 1950er bis Ende der 1970er-Jahren in den ostdeutschen Kinderstuben weit verbreitet. von Melanie Alperstaedt (01.10.2021)

Manch eine*r erinnert sich vielleicht noch an die Kindergeburtstage, an denen Filmvorführungen mit den DEFA-Bildbänden das Highlight vieler Kinder waren. Durch die farbenprächtigen Bilder und das Vorlesen der Geschichten oder Märchen wurde eine reizvolle Kinoatmosphäre erzeugt.

Heimkino mit Rollfilm-Projektoren wie dem »Pouva Magica«

Die Bildbände konnten mithilfe eines Rollfilm-Projektors gezeigt werden. Dieser projizierte die Bilder nacheinander auf eine beliebige Fläche, sodass eine kleine Geschichte entstand. Dabei wurde die Filmrolle auf der einen Seite des Projektors eingelegt und dann durch Kurbeln Bild für Bild auf eine gegenüberliegende Rolle gedreht. Da ein Bildband nur ca. 20 bis 25 Bilder beinhaltet, war die Vorführung auch dementsprechend kurz. Der zugehörige Text stand entweder unter den Bildern auf der Leinwand oder wurde von einem beiliegenden Zettel abgelesen. Zur damaligen Zeit konnten die kleinen Filmrollen privat erworben werden und kosteten 4,75 Mark in der Kaufhalle. Ein weitverbreiteter Rollfilm-Projektor war der »Pouva Magica«.

Projektor »Pouva Magica« in schwarz mit Anleitungsblatt

Die meisten Dia-Rollfilme stammen aus der Produktion des VEB DEFA-Kopierwerke in Berlin. Die Filme existieren in verschiedenen Versionen: in zahlreichen Aufbewahrungsboxen und mit anders gestalteten Titelbildern, von unterschiedlichen Autor*innen oder Zeichnern bzw. Zeichnerinnen. Bei den zahlreichen Aufbewahrungstypen waren Pappdosen die ältesten, danach wurden die Rollfilme in runden Kunststoffdosen mit einem Deckel produziert. Der jüngste Dosentyp ist die viereckige Kunststoffdose. Zu Beginn waren die Unterteile rot und die Deckel weiß, während sie später in bunten Dosen verpackt wurden. Auf den ersten Aufbewahrungsdosen waren die Nummern noch klein, während sie in den späteren Auflagen größer wurden.

Märchen der Gebrüder Grimm erfreuten sich großer Beliebtheit

Produziert wurden die Bildbände von der DEFA (Deutsche Film AG), die mehrere hunderte dieser Filme herstellte: von Märchengeschichten über Landschaftsaufnahmen bis hin zu Comics. Sehr beliebt. v. a. beim jungen Publikum, waren die Color-Bildbände mit den Märchen der Gebrüder Grimm, wie zum Beispiel »Der gestiefelte Kater« oder »Aschenputtel«, aber auch Comics wie »Trix und Droll«.

DEFA Color-Bildband Aschenputtel

Die Comicserie der ungleichen Freunde »Trix und Droll« wurde in den 1970er-Jahren von Willy Moese entworfen, der als einer der produktivsten Karikaturisten und Comic-Künstler der DDR gilt. Seine beiden Hauptfiguren, »Trix«, eine Katze, und »Droll«, ein Rabe, bestehen zusammen unterschiedliche Abenteuer, indem sie ihr Können beweisen und sich gegenseitig auf lustige Weise ergänzen.

 

Anmerkung der Redaktion: Der Blogartikel erschien erstmals am 5. Mai 2014.

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