70.000 Menschen demonstrierten vor 20 Jahren in Leipzig: Die Montagsdemonstrationen sind zu einer Massenbewegung geworden

Wer war nicht mal schon irgendwann in seinem Leben auf einer Demonstration und hat somit sein demokratisches Recht der freien Meinungsäußerung genutzt?! Ich schon einige Male, und trotzdem kann ich mir nur schwer vorstellen, wie es vor 20 Jahren in Leipzig gewesen sein muss. Wie viel Mut man brauchte, um in einer Diktatur friedlich gegen das bestehende System zu demonstrieren.
von Melanie Alperstaedt (09.10.2009)

Wer war nicht mal schon irgendwann in seinem Leben auf einer Demonstration und hat somit sein demokratisches Recht der freien Meinungsäußerung genutzt?! Ich schon einige Male, und trotzdem kann ich mir nur schwer vorstellen, wie es vor 20 Jahren in Leipzig gewesen sein muss. Wie viel Mut man brauchte, um in einer Diktatur friedlich gegen das bestehende System zu demonstrieren.

Stellen Sie sich vor, Sie lesen in einer Tageszeitung folgenden Leserbrief eines Kampfgruppen-Kommandeurs: Man müsse  die seit Anfang September stattfindenden Montagsdemonstrationen, "die konterrevolutionären Aktionen endgültig und wirksam ... unterbinden. Wenn es sein muss, mit der Waffe in der Hand". Einige Tage vorher haben Sie evtl. von der Polizeigewalt in Berlin erfahren, vielleicht ist ja ein Bekannter von Ihnen zwei Tage zuvor nach einer Andacht aus der Gethsemanekirche gekommen, festgenommen und misshandelt worden. Seine Frau hat noch die blauen Flecken der prügelnden Polizisten am Körper. Und dann haben Sie den Mut, trotz evtl. Stasibespitzelung und persönlicher Konsequenzen auf die Straße zu gehen und Sie sehen: Sie sind nicht allein, sondern ca. 69.999 Menschen sind an Ihrer Seite. Das der Abend friedlich enden würde, wusste bis dahin niemand.

Sie werden merken, ich habe den nüchternen Schreibstil getauscht gegen eine Sprache, die Empathie herausfordert. Die Fakten sind den meisten von uns bekannt, aber ich finde es wichtig zu versuchen, sich auch einmal in die Demonstranten hineinzufühlen. Denn damals waren Demonstrationen mit anderen Umständen und Risiken verbunden, als heutzutage in unser demokratischen Gesellschaft. Ich finde, das sollte man immer im Hinterkopf behalten.

Folgend eine kleine Auswahl an Links für diejenigen unter Ihnen, die sich kurz weiterführend über das heutige Jubiläum und die Demonstrationen in der DDR informieren möchten:

einestages - Zeitgeschichten auf Spiegel Online: "Wir sind das Volk"

Eine Seite rund um die Friedliche Revolution: Herbst '89.de

Wikipedia: Montagsdemonstrationen 1989/1990 in der DDR

Ein Video auf Youtube: Die "Tagessschau" vom 9. Oktober 1989

Dies sind nur einige wenige von sicherlich sehr vielen interessanten Links zu diesem Thema. Falls Sie selbst noch einen haben, würde ich mich freuen, wenn Sie mir diesen an ma@ddr-museum.de schicken. Ich füge diesen dann gerne ein!

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