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Mauerfall am 9. November 1989

Mauerfall am 9. November 1989Mauerfall am 9. November 1989Mauerfall am 9. November 1989

Seit 1985 wehte im ganzen Ostblock ein Wind der Veränderung. Gorbatschow leitete in Moskau die Perestoika ein, die den Sozialismus gründlich umkrempeln und damit retten sollte. Während die Führung der SED einen „Tapetenwechsel“, wie es der Chefideologe Kurt Hager nannte, ablehnte, hofften viele auf die längst überfälligen Reformen. Gerade in Kreisen der Opposition war die Illusion verbreitet, man könne den Sozialismus demokratisieren. Die eigentliche Initialzündung für die Entwicklung hin zu Mauerfall und Wiedervereinigung aber ging von Menschen aus, die keine Hoffnung auf eine Veränderung hatte. Ihre Parole war „Wir wollen raus!“. Diese Losung skandierten sie jeden Montag nach dem Gottesdienst in der Nikolaikirche in Leipzig. Im Sommer 1989 kampierten sie rund um die bundesdeutsche Botschaft in Budapest, um Möglichkeiten zu erkunden, von dort nach Österreich zu kommen. Erst gelang es Einzelnen, dann ganzen Gruppen und schließlich allen, die es wollten. Gleichzeitig wurde der Garten der BRD-Botschaft in Prag zum Flüchtlingslager. Dramatische Fernsehbilder gingen um die Welt. Junge Menschen, die in der DDR aufgewachsen waren, flüchteten vor diesem Staat wie vor einer Naturkatastrophe. Nun meldete sich auch in der DDR die Opposition zu Worte und veröffentlichte am 10. September 1989 den Aufruf des Neuen Forums. Im ganzen Land herrschte Aufbruchsstimmung. Nach dem Sturz von Erich Honecker am 18. Oktober 1989 versuchte die neue SED-Führung unter Egon Krenz, sich durch weitreichende Zugeständnisse an die Spitze der Erneuerung zu setzen. Selbst über Reisefreiheit wurde nun diskutiert. Doch es war bereits zu spät. Die Bevölkerung wollte nicht mehr auf Gnadenakte von oben warten.

Tatort Pressezentrum

Am 9. November 1989 um 18.57 Uhr versetzte das Mitglied des SED-Politbüros Günter Schabowski im Pressezentrum in der Ostberliner Mohrenstraße vor laufenden Fernsehkameras dem alten System ungewollt den Gnadenstoß. Am Ende einer Pressekonferenz erkundigte sich der italienische Korrespondent Riccardo Ehrmann nach dem Entwurf für das Reisegesetz. In seinen Papieren wühlend teilte das Politbüromitglied mit, die Parteiführung habe beschlossen, "... heute ... äh ... eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht ... äh … über Grenzübergangspunkte der DDR ... äh ... auszureisen“. Darauf tauchte aus dem Auditorium die Frage auf: "Ab wann tritt das in Kraft? Ab sofort?" Günter Schabowski kratzte sich am Kopf, ordnete weiter seine Unterlagen, setzte sich die Brille auf und sagte: "Also, Genossen, mir ist das hier also mitgeteilt worden: '... Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen – Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse – beantragt werden.“ Auf weitere Nachfrage teilte er mit: "Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich.“ Der digitale Time-Code auf den Monitoren der Fernsehstationen zeigte auf 19 Uhr und 54 Sekunden MEZ – ein neues Weltzeitalter hatte begonnen.

Fall der Berliner Mauer

Am Abend strömten die Menschen zu den Grenzübergangstellen und forderten lautstark ein, was im Fernsehen schon verkündet worden war. Überall gaben die diensthabenden Offiziere dem Druck der Massen nach und öffneten die Schlagbäume. Noch im Mai 1989 war hier der achtzehnjährige Chris Gueffroy hinterrücks erschossen und sein Gefährte nur schwer verletzt durch die Sperranlagen gekommen. Nun war dieser Spuk vorbei. Es begann die Nacht der Nächte. Zehntausende strömten jubelnd durch die Kontrollpunkte. Bis zum frühen Morgen wurde rund um den Bahnhof Zoo getanzt. „Wahnsinn“ war das am häufigsten gebrauchte Wort jener Nacht. Noch lagen die Schwierigkeiten der Wiedervereinigung und die Phantomschmerzen, die die DDR hinterlassen sollten, in weiter Ferne. Es war wohl die glücklichste Stunde der deutschen Geschichte.